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Thomas Gerwin
Computer Music (2004)

"Computer Music" nimmt den gängigen Terminus für ein Genre wörtlich. Einzige Quelle sämtlicher Klangmaterialien und einziges Instrument zur Bearbeitung und Komposition derselben ist der Computer selbst. Das Werk besteht aus zwei sich ergänzenden Komponenten: einer Raum-Klang-Installation und einem Hörstück. In beiden spielt die Zahl 4 eine wichtige Rolle, die sich auf den Lichthof vom berühmten "Haus des Rundfunks" in Berlin und seine besondere Architektur bezieht. Die 4 weist in der Numerologie auf die allgemeingültige Ordnung, die Orientierung, auch die Mathematik hin. So gliedern die 4 Jahreszeiten das Jahr, die Himmelsrichtungen die Erde und die vier Elemente die faßbaren Dinge der Welt. Darauf bezieht sich "Computer Music", macht dabei aber gleichzeitig sinnlich erfahrbar, wieviel Unwägbares, Unfaßbares und Geheimnisvolles es auch in der striktesten Ordnung gibt. Die fünfte und wichtigste Komponente dieser Arbeit ist der rezipierende und (re)agierende Mensch, der eigentliche Mittelpunkt jeder meiner Inszenierungen.

Das Hörstück changiert stilistisch zwischen "Musique concrète", "Digital Music", experimentellem Hörspiel und "Soundscape Composition" und zeigt sowohl Grenzen als auch Verbindungslinien zwischen diesen Sparten auf. Zunächst wurde der Computer auf die konkreten Klänge untersucht, die er selbst bei der Benutzung erzeugt - innen und außen. Dazu kamen verschiedene Tastaturen und z.T. sehr alte Drucker, Laufwerke, etc.. Diese Klänge bildeten das Klangmaterial, welches dann im Computerstudio verschiedensten Operationen und Prozessen unterworfen wurde. Die so entstehenden Variationsketten, Familien von Klangobjekten, die Rhythmen und Klanglandschaften bilden den Material-Pool, aus dem schließlich das Stück nach eigenen, von den ursprünglichen Klängen und deren Funktionalität unabhängigen Gesetzen prozesshaft komponiert wurde.

Das radiophone Hörstück (46:25 min.) kann im Stereo- oder Dolby-Surround-Format gesendet werden, ebenso reizvoll ist aber auch eine Live-Aufführung in der 5.1-Fassung, evtl. sogar als Wandelkonzert inmitten der zugehörigen Raum-Klang-Installation. Für acousmatische Konzerte existiert auch noch eine Kurzfassung von 14:50 min. in stereo.

Foto: Konstanze Thümmel

Die Klang-Installation "Soundscape No.5 (Computer Music)" inszeniert die vier Hauptkomponenten eines Computers, den Prozessor (Süden, Sommer), die Input/Output-Sektion (Westen,Herbst), die Speicher (Norden, Winter) und das Interface (Osten, Frühling) im Raum. Dies geschieht mittels kleiner weißer Kuben oder Stelen, denen jeweils leiser Klang entströmt. Der Lichthof an der Masurenallee wurde virtuell zum begehbaren Innenraum eines großen Computers. Die wie mit einer Lupe hervorgeholten Kulminiationspunkte werden optisch unterstützt durch silberne Markierungen auf dem Boden, auf denen die Klang-Stelen wie Kondensatoren oder Sicherungsmodule auf einer Computerplatine wirken können.


"Computer Music" entstand im Auftrag der Klanggalerie des RBB, Redaktion: Andreas Hagelüken, Ursendung am 12. Juli 2004 im Rahmen des "Festival der internationalen Radiokunst im RBB", die RaumKlang-Installation wurde zum erstenmal in der Zeit 3.-28.7.2004 im "Haus des Rundfunks" in Berlin gezeigt.

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