
Fotos: Silvia Fohrer + Henry Mex
Der Stein hat in seiner Schwere und Sprödigkeit bisher kaum Eingang in die Musik und Klangkunst gefunden. Grund genug für die Komponisten und Klangkünstler Thomas Gerwin und Henry Mex die Forschungsreise in die Welt dieses Erdelements anzutreten. Sie entwickeln ein Steininstrumentarium (Lithophone, Fliesophone, Granit, Marmor, Sand etc) auf dem sie mit dem Schlegel und Bogen, gestrichen oder gerieben ungewöhnliches weich-melodiöses, geräuschhaft-perkussives bis glockenähnliches Klangmaterial entstehen lassen. Dieses wird durch den Live-Einsatz von Mikrophonen, Pick-Ups, Computer, Sampler und FX-Geräten einer zusätzlichen Mikroskopierung und Bearbeitung unterworfen. Mittels dieser "Nahaufnahmen" von Steinklängen erschaffen die beiden Musiker Klangwelten von minimalistisch offenen oder fast gamelan-ähnlichen dichten Strukturen bis zu expressiv-abstrakten Klanglandschaften aus allen nur möglichen lautlichen Äusserungen des Steines. Mit einem der ältesten und härtesten auf der Erde vorkommenden Material wird in Interaktion mit moderner Technologie Musik erzeugt, die flüchtigste aller Künste. Der Stein wird musikalisch ent-deckt.
Zur Bildung von multiplen musikalischen Klangräumen streben Gerwin und Mex bei ihre Performance ein Surroundkonzept an, das zwar nicht Bedingung für die Konzertsituation ist, aber - wenn veranstalterseitig die Möglichkeit von mehr als Stereo besteht - ihren Vorstellungen von Raummusik sehr entgegenkommt. Aufführungen in kleineren Aufführungsräumen kann steinmusik mit einem eigenen Surround-Set absichern
Besonderer Dank und ein herzlicher Gruß gilt an dieser Stelle Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer, die Thomas Gerwin im Herbst 2004 zu ihrem internationalen Bildhauer-Symposium "Steine ohne Grenzen" nach Brück in Brandenburg einluden und so den Beginn der Entwicklung des Stein-Instrumentariums ermöglichten. Dieser Beginn wurde ebenso freundlich unterstützt von der Firma Rex-Granit.